Morgenkaffee – Morgengebet

Mein Gebet am Morgen beginnt immer mit einem Kaffee. Am Morgen zuerst einen Kaffee zu trinken ist für mich obligatorisch. Es ist zugleich Genuss, Ritual und Gebet.

 

Bericht von David Senz am Freundestag 2016

 

So, wie ich mich am Morgen mit Kaffee fülle, so möchte ich mich von Gottes Gnade füllen lassen. Und genauso wie der Kaffee, so ist auch Gottes Gnade jeden Morgen frisch und neu – siehe Klagelieder 3,22-23.

Der kleine Espressokocher auf dem Herd fängt an zu brodeln und das Aroma von frischem Kaffee erfüllt den Raum. Ich liebe diesen Geruch. Ich atme tief ein, um möglichst viel von dem Duft aufzunehmen, der sich gerade in unserer Küche ausbreitet. Er erinnert mich daran, dass auch Sein Name ein Wohlgeruch ist und einen Grund gibt, ihn zu lieben – wie in Hohelied 1,12 (GN) beschrieben. Auch diesen Wohlgeruch möchte ich heute einatmen. Er ist da, auch wenn ich ihn nicht sehe.

Ich brauche Zeiten, in denen ich mich alleine mit Gott treffe. Wenn ich seine Nähe wahrnehme, kann ich nicht anders, als nur an ihn zu denken und von ihm zu erzählen. Auch ich fange dann an, zu „duften“:»Solange mein König mir nahe ist, verbreitet mein Nardenöl seinen Duft.« (Hohelied 1,12 [GN]) Ich bin ein Wohlgeruch für Gott, der sich an allen Orten ausbreitet. (Hohelied 8,6)

 

Aus dem Schrank nehme ich eine mit Goldrand verzierte Tasse. Der schwarze Kaffee dampft aus ihrem Inneren, als sie gerade anfängt, meine Hände zu wärmen. Wärme – für mich oft auch eine spürbare Empfindung Seiner Gegenwart. Manchmal werden meine Hände warm, und ab und zu scheint es, als ob der ganze Körper um ein paar Grad zugelegt hat. Für mich auch eine menschliche Reaktion auf Seine göttliche Liebe. „Flamme des HERRN“ und „feurige Glut“ wird diese Liebe genannt. (Hohelied 8,6) Gerne will ich das auch heute spüren.

 

Ich nehme mit meinem Kaffee Platz in einem großen Sessel und schaue das erste Mal aus dem Fenster. Vor mir der große Ölberg, der höchste Punkt des Siebengebirges. Der Ölberg ist der Ort, an dem Jesus zum Vater aufgefahren ist. Und dort wird er wiederkommen. Er erinnert mich immer wieder daran, dass Beten auch mit Warten zu tun hat. Aber dieses Warten ist nicht passiv. Es ist das Warten der Braut auf ihren Bräutigam. Und es führt zu dem Wunsch, für ihn schön zu sein. Bereit zu sein. Dieses Warten ist eine Zeit, in der sich mein Herz mit seinem Herzen verbindet, weil es sich mit nichts anderem zufrieden geben kann als nur mit ihm allein. Ich suche ihn – wann und wo immer ich kann. Alles kann mir mehr davon erzählen, wer er ist, weil alles durch ihn und zu ihm hin erschaffen ist. (Kolosser 1,16b) Es ist ein Warten, das mich zu dem zieht, auf den ich warte. (Johannes 12,32) Ein Warten, das in meinem Herzen Wege bahnt für den, der war, ist und der da kommt. (Offenbarung 1,8)

 

Es ist Zeit für meinen König. Ich nehme vorsichtig einen ersten Schluck und fühle, wie sich die heiße Flüssigkeit in meinem Körper ausbreitet und ihn von innen wärmt. Ehrfürchtig schließe ich die Augen und mache mir bewusst, dass mein Papa im Himmel mich liebevoll anschaut. Er sieht mich, gerade jetzt- vergleiche 1. Mose 16,13. Ich weiß das, weil er es mir gesagt hat. Als ich damals beschloss beim Beten nochmal ganz von vorne anzufangen, war mein erster Entschluss, zu üben, Gott wahrzunehmen. Damals betete ich vormittags immer

in dem Raum einer Gemeinde. Noch auf dem Weg dorthin hörte ich innerlich, wie Gott zu mir sprach: Du musst nicht lernen mich wahrzunehmen – du musst lernen, dass ich dich wahrnehme. Dieser Satz hat mein Gebetsleben revolutioniert! Seither fange ich jede Gebetszeit in dem Bewusstsein an, dass Gott mich sieht. Er nimmt mich wahr, bevor ich ihn wahrnehme. Er blickt auf mich, bevor ich zu ihm aufschaue. Und er liebt mich, bevor ich ihn liebe. Er ist in allem der Erste. (Kolosser 1,18) Für Gott gegenwärtig zu sein, lerne ich am besten von dem, der selbst Gegenwart ist. Seine Präsenz hat mit dem Heiligen Geist in mir Wohnung genommen. Seine Liebe ist in mein Herz ausgegossen und breitet sich dort aus. (Römer 5,5) Er wird auch heute alles für mich bereithalten, was ich brauche. Von seiner Fülle nehme ich Gnade um Gnade – Schluck für Schluck. (Johannes 1,16)

 

Ich öffne die Augen und merke, wie ich langsam wach werde und anfange, bewusst zu sehen, was mich umgibt. Ich spreche zu meiner Seele: Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit, ich will dir singen und spielen. Wach auf, meine Seele! Wacht auf, Harfe und Saitenspiel! Ich will das Morgenrot wecken. (Psalm 57,8-9)Genauso wie die Sinne meines Körpers gerade erwachen, so wünsche ich mir, dass auch mein geistlicher Mensch aufwacht und die Augen meines Herzens erleuchtet werden. (Epheser 1,18).

 

Mit einem kleinen Gebet lade ich den Heiligen Geist ein:

 

Thank you – danke Heiliger Geist, dass du bei mir bist und in mir lebst.

Reign in me – regiere mein Herz.

Use me – gebrauche mich heute.

Strengthen me – stärke meinen inneren Menschen.

Teach me – ich möchte von dir lernen

 

Jetzt warte ich ganz ruhig darauf, dass Jesus etwas zu mir spricht. Ich habe meine Mails noch nicht gecheckt. Meine To-Do Liste noch nicht gelesen. „Jesus, was liegt Dir heute für mich auf dem Herzen?“ Ob es ein Gefühl, ein Bild, oder ein Gedanke ist, Jesus soll das erste Wort an diesem Tag haben.

 

Mein Kaffee ist leer, aber ich bin erfüllt. Ich weiß, dass ich darauf vertrauen kann: Wenn ich mich zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit ausstrecke, wird er für alles sorgen, was ich brauche. (Matthäus 6,33)

 

Geschrieben von • 9 Januar 2017 • Kategorie: Berichte über die Arbeit Tags: , ,