Jesus kommt wieder

Obwohl das Jahr noch nicht zu Ende ist, steht schon fest, dass es das Jahr der teuersten Naturkatastrophen ist. Überschwemmungen und Stürme in Australien, auf den Philippinen, in USA und China. Erdbeben in Pakistan, Neuseeland und das verheerende Beben im März in Japan, das einen zehn Meter hohen Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima auslöste.
Da war auch noch der gefährliche Darmkeim EHEC mit Toten, schweren Krankheitsverläufen, großer Angst in der Bevölkerung und gewaltigen Umsatzeinbußen in der Landwirtschaft.
2011 wird ebenso als das Jahr der Revolutionen in die Geschichtsbücher eingehen. Der ,arabische Frühling‘ ist keines Falls zu Ende und niemand kann absehen, welche langfristigen geopolitschen Auswirkungen diese Umbrüche mit sich bringen.
Die Risiken unseres globalen, fragilen Finanzsystems werden uns in den aktuellen politischen Entscheidungen ständig vor Augen geführt. Und niemand kann sagen, wie die Finanzmärkte wieder stabil werden.
Die Nachrichten sind voll von Berichten über Hunger, Krieg, Gewalt, Katastrophen und Not. Unsere Welt befindet sich in vielerlei Weise im Umbruch. Vielleicht verwendet deshalb der britischen Sender BBC für die Zeitangabe nicht mehr den Begriff ,vor und nach Christus‘.

All diese Informationen und Bilder können in uns leicht Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Angst auslösen. Meistens verdrängen wir solche Gefühle, um uns besser den Anforderungen unseres Alltags stellen zu können. Und wir suchen nach Erklärungen, die uns mehr Sicherheit geben. ,Das sind doch klare Zeichen, dass wir in der Endzeit leben‘ ist eine Aussage, die zunehmend häufiger unter Christen zu hören ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Einschätzung mehr Sicherheit bringt oder noch mehr Angst auslöst.

Jesus redet davon, dass diese Welt ein Ende hat (Lk 21,5ff). Als Zeichen für die Endzeit nennt er Kriege, Erdbeben, Hungersnöte, Seuchen und Schrecken. Das hat es aber zu allen Zeiten schon gegeben. Jedoch sind diese Erscheinungen in solcher Heftigkeit und Vielzahl nie zuvor nahezu gleichzeitig aufgetreten. Trotzdem weiß ich nicht, in welcher Phase der Endzeit wir leben. Nicht einmal Jesus weiß, wann Himmel und Erde vergehen (Mt 24,36). Sicher ist lediglich, dass wir mit jedem Tag dem Ende der Welt näher kommen und damit der zweiten Wiederkunft Jesu.

Und wie können, wie sollen wir damit umgehen? Macht es Sinn sich Vorräte an Wasser, Nahrungsmitteln und Energie in Bunkern anzulegen? Es gibt Christen, die wissen wollen, dass die ,Eliten der Neue Welt Ordnung‘ in diesem Bereich intensive Vorbereitungen treffen und daher solches empfehlen. Ich befürchte, dass damit die Angst und Hilflosigkeit nur verlagert wird. Verdrängte oder verlagerte Angst hat aber zur Folge, dass sie subtiler und stärker wird. Zudem orientieren sich unsichere Menschen mit offener oder versteckter Angst schnell an Führerpersönlichkeiten, von denen sie Sicherheit erwarten. – Könnten diese die falschen Christusse sein, von denen Jesus in Mt 24,4-5 redet?
Jesus sagt: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lk 21,28) Jesus macht Mut, zu vertrauen! Jesus sagt uns, dass wir uns auf die Erlösung freuen können.

Christen, die sich stark mit der Endzeit beschäftigen, laufen Gefahr, nur noch das Schlimme in dieser Welt zu sehen. Menschen, die darauf warten, dass Jesus wieder kommt, entwickeln eine erwartungsvolle Kreativität, wie sie andere auf das Wiederkommen des Messias vorbereiten können. Zwei Beispiele belegen dies eindrucksvoll:
• Weil Friedrich von Bodelschwingh zutiefst davon überzeugt war, dass er das Wiederkommen von Jesus erlebt, hat er in Bethel Häuser mit Flachdächern gebaut. Die behinderten Menschen, um die er sich kümmerte, sollten dem Herrn entgegen gehen können. Die Erwartung des Wiederkommens Jesu hat Auswirkung auf die Architektur.
• Die schwäbischen Pietisten, die Wilhelmsdorf bei Ravensburg als christliche Kolonie gründeten, nahmen zur Feldarbeit stets den Sonntagsrock mit, damit sie diesen, wenn der Herr wieder kommt, schnell überziehen könnten. Und weil sie zutiefst das Wiederkommen Jesu erwartet haben, war es ihnen ein großes Anliegen, dass Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft lebten, Jesus kennen lernen sollten, damit diese zu den Erlösten gehören. So gründeten die Wilhelmsdorfer eine ganze Reihe diakonischer Einrichtungen, obwohl sie selbst in großer Armut lebten. Die Erwartung des Wiederkommens Jesu motiviert zu missionarischer Diakonie.

Wenn wir erwarten, dass Jesus wieder kommt, entwickeln wir
• einen Lebensstil, der Hoffnung in eine Welt trägt die am Zerbrechen ist
• eine Leidenschaft Menschen von Jesus zu erzählen
• eine Wachsamkeit für die Nöte unserer Zeit
• eine Sicherheit trotz globaler Krisen

Jesus kommt wieder auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit und alle werden ihn sehen (Mt 24,30) und er setzt seinen Fuß auf den Ölberg in Jerusalem. Die Wiederkunft Jesu ist ursächlich mit Israel verbunden. Wenn wir die Geschichte des Volkes Gottes betrachten, entdecken wir, dass eine ganze Reihe von Zeichen und Umbrüchen im Zusammenhang mit Israel steht. Das Warten auf den wiederkommenden Jesus bringt uns in Verbindung zu Israel, unserem älteren Bruder.

Diese Welt braucht einen Glauben der das Wiederkommen von Jesus erwartet. Ein solcher Glaube ist kraftvoll, erfinderisch und geduldig. Und dann dürfen wir beten: Maranatha – komme bald Herr Jesus (1Ko 16,22 + Off 22,20).

Hans Wiedenmann

geschrieben für Freundesbrief des Wörnersberger Anker

Geschrieben von • 14 Dezember 2011 • Kategorie: Berichte über die Arbeit