Familienstellen auf biblischer Grundlage

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Raum für die Wirksamkeit der Gnade Gottes

 

In den letzten Jahren sind Familien-, System- und Organisationsaufstellungen sehr populär geworden, und dies nicht nur im säkularen Bereich. Seminarteilnehmer berichten häufig von erstaunlichen Entdeckungen, Erfahrungen und Veränderungen und auch Heilungen, sowohl psychisch-emotionaler wie auch körperlicher Art.

 

Was ist Familienstellen überhaupt? Sollte jeder das machen? Für wen ist das geeignet? Was unterscheidet Aufstellungsarbeit auf biblischer Grundlage von der umstrittenen Arbeit Bert Hellingers? Welche Hilfe kann ich mir erhoffen?

 

Die Ursprünge

„Wir haben erkannt, dass alle ungesunden Beziehungsmuster von mehreren Generationen geformt sind.“, sagt Boszormenyi-Nagy. Er war einer der Begründer der systemischen Familientherapie und hat zusammen mit anderen Wissenschaftlern und Therapeuten grundlegende Erkenntnisse über die Beziehungsdynamiken in Familiensystemen erforscht und Therapiemodelle entworfen.

 

In den neunziger Jahren wurden durch die Arbeit von Bert Hellinger sogenannte Familienaufstellungen populär. Hellinger hat grundlegende und hilfreiche Impulse für die gesamte Aufstellungsarbeit gegeben, beschritt im Laufe seiner Arbeit aber zunehmend esoterische Wege und betreibt Aufstellungsarbeit inzwischen in so fragwürdiger Weise, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen in vielem von ihm distanziert. Von biblisch-seelsorgerlichen Sicht her ist seine Arbeitsweise wohl dem Bereich der Wahrsagerei, Magie und möglicherweise dem Spiritismus zuzuordnen.

 

Der Kontext von Familienstellen auf biblischer Basis

Familienaufstellungen sind eine sehr dynamische Vorgehensweise, in der Menschen in kurzer Zeit tief an ihre biografischen familiären Erfahrungen, Themen und die damit zusammenhängenden Gefühle herankommen. Häufig kommen dabei verborgene, tabuisierte und verdrängte Wahrheiten des familiären Herkunftssystems zum Vorschein. Auf biblischem Hintergrund gesehen haben wir es mit psychisch-emotionalen Belastungen und Verstrickungen, mit individuellen und kollektiven Schuldzusammenhängen, sowie mit Bindungen an bis heute wirksame geistliche Mächte (Epheser 6,12) und deren destruktiven Einflüssen in unseren Familiensystemen zu tun.

 

Arbeitsweise

In der Regel kommt jeder Teilnehmer mit einer Frage, die ihn bewegt, zur Familienaufstellung, wie beispielsweise „Warum habe ich immer wieder einen bestimmten Konflikt?“, „Wieso habe ich kaum Zugang zu meinen Gefühlen?“, „Ich komme an einem bestimmten Punkt in meinem Leben nicht weiter“. Während des Seminars stellt dann jeder Teilnehmer seine eigene Herkunfts- oder auch Gegenwartsfamilie auf, d.h., er sucht sich aus der Gruppe Stellvertreter für seine Familienmitglieder aus und stellt mit diesen ein „inneres Beziehungsbild“. Der Leiter der Aufstellung befragt dann die einzelnen Stellvertreter nach ihren Wahrnehmungen und Empfindungen. In der Regel sind diese stimmig mit den Empfindungen des Aufstellers. Die oft verborgenen und tabuisierten familiären Konflikt- und Beziehungsthemen, notwendige Grenzziehungen, fehlende oder ungute Bindungen, Traumatisierungen etc. werden oft rasch deutlich. Kernthemen wie die Vater- und Mutterbeziehung stehen bezeichnender Weise immer wieder im Mittelpunkt und werden somit einer Bearbeitung zugänglich. Familienaufstellungen sind Beziehungs-Klärungs-Arbeit und aus diesem Grund wird der Aufsteller ab einem geeigneten Punkt in die Aufstellung hineingeholt. Er hat dann die Möglichkeit, mit den einzelnen Personen seiner Familie, bzw. den Stellvertretern, in die Dialogarbeit zu gehen. Schmerzhafte, verdrängte, abgespaltene, manchmal unbenennbare Beziehungsthemen werden somit im wahrsten Sinne des Wortes zugänglich.

 

Prozessorientiertes Arbeiten

„Einlassen – Zulassen – Erkennen – Verstehen“, damit ist schon ein wesentlicher Teil dessen beschrieben, worum es bei Familienaufstellungen geht. Ein weiterer Vierklang besteht aus den folgenden praktischen „Beziehungs-Klärungs-Schritten“: a) Klärung des Kontaktes zu sich selbst; b) Wiederaufnahme des verlorenen oder gestörten (unterbrochenen) Kontaktes zu wesentlichen Bindungspersonen (Mutter, Vater, Geschwister); c) Klare Grenzziehung und Loslösung von schädigenden und zerstörerischen Bindungen; d) Akzeptanz dessen, was nicht möglich war und nicht mehr möglich ist (Verabschiedung von unrealistischen Erwartungen). Dies ist nur auf der Grundlage einer prozessorientierten Vorgehensweise möglich, in der immer berücksichtigt werden muss, was dem Teilnehmer möglich ist und was nicht.

 

Vergebung und Befreiung

Es ist sehr hilfreich, wenn ein Aufstellungsseminar mit einer Gebets- und Segnungszeit, wo die Möglichkeit besteht, Erkanntes vor und mit Gott festzumachen, zu lösen, zu bekennen usw., endet. Es ist Gottes Wunsch und Ziel, jeden einzelnen Teilnehmer durch einen tiefgehenden Heilungsprozess zu leiten und zu begleiten, in dem auf biblischer Grundlage wirkliche Vergebung und Versöhnung in der Beziehung zu sich selbst, wenn möglich auch zum Nächsten und zu Gott möglich werden.

Wichtig ist, das bei einem Aufstellungsseminar niemals irgendwelche Forcierungen, wie z.B. „Vergebung im Hauruck-Verfahren“ geschehen. Mit dem Thema „Befreiung“ muss klar, behutsam und unspektakulär umgegangen werden.

 

Grenzen und Chancen der Arbeit

Aufstellungen sind eine von mehreren effizienten Möglichkeit, sich intensiv mit seinen Lebensfragestellungen und -konflikten auseinanderzusetzen. Sie ersetzen nicht einen notwendigen längeren Prozess der Seelsorge, Beratung oder Therapie. Sie können aber stark unterstützend in solchen Prozessen wirken und helfen in der Regel ganz besonders dabei, Zugang zu den eigenen Wahrnehmungen und Emotionen zu bekommen. Aufstellungen sind kein Allheilmittel, aber sie stellen eine gute fachliche und geistliche Möglichkeit dar, damit Gottes Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und Erlösung in unseren oft so zerrütteten Beziehungsverhältnissen neu erfasst und wirksam werden können.

 

gekürzter Bericht von Rolf Gersdorf ,Leben im Kontext, Dortmund‘

ursprünglich abgedruckt in ,Brief an die Freunde, Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche‘, März 2010

Geschrieben von • 3 Januar 2011 • Kategorie: Berichte über die Arbeit